Eitempera

Zunächst gibt es DAS Temperarezept gar nicht, Ziel ist es auf Dauer, sich die jeweils zweckmäßigste Mischung selber herzustellen. Das klingt vielleicht kompliziert, ist es aber nicht.

  - Zuerst stellt man eine Lösung aus Harz und Terpentinöl her. Dazu werden 1 GA (Gewichtsanteil) Dammar-oder Mastixharz in Stücken (Pulver verklebt), in ein Baumwollteesieb gegeben und in ein Glas mit breitem Hals (zB. Honigglas) in 3 GA Terpentinöl gehängt. Deckel drauf oder mit Alufolie schön abdichten und ca 24 Std stehenlassen, dann ist das Harz aufgelöst und noch ein paar Verunreinigungen sind im Teesieb übrig. Vorsichtig rausnehmen. Lösung kann durchgefiltert werden, muss aber nicht

Von dieser Lösung kann man gleich auch eine größere Menge herstellen als benötigt, sie hält sich sehr gut.
Die gute Nachricht ist: Damit haben Sie nebenbei schon einen perfekten Firniss und ein gutes Malmittel hergestellt. (Für den Firniss noch mit etwas mehr Terpentinöl verdünnen). Auch sehr gut als Zwischenfirniss geeignet, um eingeschlagene Stellen rauszuholen. Dazu muss die Malschicht aber gut durchgetrocknet sein und der Firniss zügig aufgetragen werden, damit der Terpentinanteil die Malschicht nicht anlöst.

  - Jetzt kommt das Ei: Vorsichtig aufschlagen und ganz in ein Schraubglas geben. Die halbe Eierschale mit der Harzlösung füllen und diese Menge dazugeben, die andere Hälfte mit Leinöl füllen und dazugeben. So entsteht ein Verhältis von 2:1:1 RT (Raumteilen). Glas zuschrauben und gut durchschütteln. Es entsteht eine sehr schöne, mayonaiseartige Creme, die Grundlage und  Bindemittel für die Pigmente ist.  (Im Kühlschrank aufbewahrt hält sie sich ca 3-4 Wochen)

  - Pigmente über Nacht einsumpfen, zB. ein Schälchen grüne Erde als verdaccio fürs Inkarnat, oder ein Weiß, darauf      langsam Wasser geben bis die Pigmente gesättigt sind, ohne Rühren abgedeckt stehenlassen.

Jacopo di Pontormo: Deposizione  1525-28  Eitempera.

 

- Etwas von der pigmentlosen Tempera in die Fächer einer Aquarellpalette oder in kleine Gläschen geben und die eingesumpften Pigmente unterrührenEs erfordert etwas Übung die erwünschte Konsistenz herzustellen. Die Farbe kann durch die Zugabe von Wasser, Leinöl oder der Terpentin-Harzmischung verschieden "eingestellt" werden. Auch Kaseinbindemittel kann zugefügt werden. Selbst wenn man die Eitempera meistens deckend einsetzt, was zum Beispiel in der sogenannten "Dörnerschen Mischtechnik" als wunderbarer Kontrast zu den Öllasuren steht, kann es durch einen hohen Ölanteil auch einen fließenden Übergang zur Ölfarbe geben. Eitempera muss nicht unbedingt mager sein. Es ist eine Frage der Absicht im Bild, wie sie zubereitet wird.