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Der Herstellungsprozess für natürliches Ultramarinpigment dauert vom Stein bis zum fertigen Produkt ca. drei Monate und ist sehr arbeitsintensiv. Nach feinster Mahlung und Herstellung der "Pasta" muss der Teig wochenlang reifen und zwischendurch immer wieder geknetet werden, bevor er in einer Lauge ausgewaschen werden kann. Auch das ist sehr zeitaufwendig. Dann muss noch bei mehreren Spülungen abgewartet werden, bis sich das Pigment am Boden des Gefäßes abgesetzt hat bevor es getrocknet und gesiebt werden kann. Die Belohnung für die Mühen folgt aber sofort, wenn das strahlende Blau einem entgegenleuchtet. Ich kam mir bei der Wiedererforschung des Reinigungsprozesses wie ein alter Alchemist vor und konnte gut verstehen, warum früher die Ultramarinproduktion hauptsächlich in den Händen der Apotheker lag. Ultramarinpigment kann zwar auch ausschließlich durch die Mahlung eines hochwertigen Lapis Lazulis gewonnen werden, es kommt aber immer ein grauerer Farbton zustande, der mit dem des Gereinigten an Qualität nicht zu vergleichen ist.

 

Ultramarinpigment behält über viele Jahrhunderte sein kräftiges Blau und kann in verschiedenen Bindemitteln verwendet werden. Da es auch früher schon sehr kostbar und teuer war, wurde bei einem Auftrag genau der Umfang der Anwendung vertraglich mit dem Maler festgelegt. In unserer Kultur kam Ultramarin hauptsächlich für Madonnenmäntel und für den Himmel, als Zeichen der göttlichen Transzendenz, zur Anwendung.

 

 

Hier folgen einige Beispiele für die verschiedenen Anwendungsmöglichkeiten:

 

 

 

Eine sehr schöne Nutzung des kostbaren Pigments ist die Buchmalerei. Dazu wurden oft Eiweiß und Dotter, Fischleim und Gummi Arrabicum als Bindemittel verwendet.

 

Auch hier im Stundenbuch kann man wunderbar den traditionellen Einsatz von Ultramarin für Himmel und Madonnenmantel beobachten. Das Untergewand der Maria scheint mit dem einfachem ungereinigtem Lapispigment oder Ultramarinasche gemalt zu sein. Manchmal hat auch Azurit dieses Blau.

 

 

Weiterhin wird bei der Ikonenmalerei natürliches Ultramarinpigment eingesetzt. Bis zum 9. Jahrhundert hauptsächlich mit Enkaustik, bei der flüssiges Wachs als Bindemittel diente, danach und bis heute meistens Eigelb.

                              Brüder von Limburg

Aus dem Stundenbuch des Herzogs von Berry, 1410 bis 1416

 

 

 

 Von unglaublicher Schönheit ist die Scrovegni Kapelle in Padua, die Giotto alleine in nur zwei Jahren in Fresco ausmalte.

Durch das basische Milieu des Kalkputzes eignet sich Frescotechnik besonders gut für das säureempfindliche Lapispigment. Einmal abgebunden und mit abgeschlossenem Silikationsprozess der eine glasähnliche Wandoberfläche schafft, strahlt das Himmelblau unvermindert seit Giotto es um 1400 schuf.

Es muss für die Menschen damals ein ganz ungewöhnliches Erlebnis gewesen sein diesen geschaffenen Himmel zu sehen, da es zu Giottos Zeit kein vergleichbares Blau im Alltag gab.

 

 

 

         Scrovegnikapelle Padua. Fresken von

            Giotto di Bondone  1300-1305

 

 

 

Hier bei Fra Angelico ein Beispiel für die Anwendung des Ultramarinpigments in Eitempera. Wieder leuchten Merienmantel und Himmel in Ultramarin. In Verbindung mit Rosa und Gold schaffen Fra Angelicos Farbklänge ein überirdisches Flirren, das die Transzendenz alles Geschaffenen übermittelt.

                 Fra Angelico: Verkündigung

                 1425-26   Prado Madrid

 

 

 

Auch heute wird das kostbare Blau gerne im Bild verwendet wie hier als Ölfarbe. Für Öllasuren eignet es sich sehr gut, weil es mit seiner großen Teilchengröße zu den lasierenden Pigmenten gehört, die dann mit einer Untermalungsschicht aus Ultramarinasche oder einer anderen Farbe eine große Tiefenwirkung entfaltet.

 

Ultramarinasche wurde oft als Untermalung für das gereinigte Ultramarinblau genommen, weil so weniger Kosten entstanden und es mehr Tiefenwirkung verleiht.

 

     Bernd Finkenwirth: Mitteltafel von "Urwirbels Antlitz"   2015