Silberstift

Bis jetzt fasziniert eine gelungene Silberstiftzeichnung. Der Zauber ihrer Ausstrahlung scheint uns direkt in die Zeit der Hochkultur dieser Zeichentechnik zu versetzen. Die fein geführten Linien, die durch Oxidation einen einzigartigen Farbton aufweisen, die sorgfältige Zubereitung der grundierten Papiere mit zarten gebrochenen Farbtönen in blau, grün oder rosa, bilden einen Höhepunkt der Zeichenkunst. Oft als Planungsskizze für größere Werke verwendet, wurde die Silberstiftzeichnung spätestens ab der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts selbst zum in sich vollkommenen Kunstwerk.
Auch mit von der Zeit verblassten Einfärbungen der teilweise schadhaften Grundierungsschichten, sind solche Arbeiten Zeugnisse höchsten Kunstschaffens. Wie auch der Bleigriffel, muss der Silberstift schon bei den Römern der Antike bekannt gewesen sein. Hier wurde er jedoch meistens dazu benutzt, um in Wachstäfelchen zu ritzen. Die erste Beschreibung einer künstlerischen Anwendung ist um 1400 bei Cennini zu finden: ...Dann aber nimm einen Stift aus Silber oder Kupfer oder woraus sonst, nur dass die Spitze Silbern sei, fein, geglättet und schön. Demnach konnte der Stift aus jedem beliebigen Material sein, solange die Spitze zum Zeichnen aus Silber war. Zu seiner Zeit gab es jedoch auch schon Stifte aus verschiedenen Metalllegierungen, die einen Abrieb mit unterschiedlicher Färbung ergaben.
Die Beliebtheit des Silberstifts, vor allem in der Spätgotik und der Renaissance, mochte darin liegen, dass dieses Metall einen sehr feinen Strich mit einem regelmäßigen Abrieb zuließ, der im Laufe der Zeit von einem zarten Grau zu einem sehr schönen Sepiaton oxidierte.

 

Zeichnung: Albrecht Dürer, eine alte und eine junge Frau aus Bergen,

Silberstiftzeichnung auf grundiertem Papier, um 1520

Gezeichnet wurde auf Pergament, das mit Bimsstein geglättet und mit Kreide oder Knochenpulver eingerieben war. Auch Papier wurde auf verschiedene Weise behandelt, wie später noch berichtet wird. Cennini empfiehlt für Anfänger ein Holztäfelchen, beschichtet mit Knochenstaub, der mit Speichel aufgetragen wird. Entscheidend ist der Schwefelgehalt der Grundierung, damit das Silber des Abriebs auf der Grundierung oxidieren kann. So entsteht die Linie.
Der Silberstift erforderte eine sichere Hand. Selbst bei spontanem und skizzenhaftem Einsatz war eine wohlüberlegte Strichführung und Vermeidung von Fehlern nötig. Im Gegensatz zur Bleigriffelzeichnung, die mit Brotkrume radiert werden konnte, gab es beim Silberstift keine Möglichkeit, Fehlstriche zu entfernen, außer durch das Herausschaben der Grundierungsschicht.

Daraus ergaben sich verschiedene Herangehensweisen, je nach Vermögen und Temperament. Cenninis Rat für Lernende: ...Dann beginne nach dem Vorbild leichte Sachen zu entwerfen, soviel du vermagst um die Hand zu üben, und mit so leicht die Tafel berührendem Stifte, dass kaum sichtbar ist, was du zu zeichnen beginnst. Deine Striche nehmen zu, indem mehrmaliges Hin-und Wiederziehen den Schatten hervorbringt. Je dunkler du die Schatten an den Umrissen haben willst, um so häufiger kehre zurück und gehe, im entgegengesetzten Falle, wenig über die lichten Stellen. Und es seien, auf dass du solches ersehen könnest, das Sonnenlicht, dein Augenlicht und deine Hand Wegweiser und Führer; denn ohne diese drei Dinge lässt sich nichts recht unternehmen. Aber siehe zu, dass, wenn du zeichnest, du gemäßigtes Licht habest und die Sonne dir von links das Licht herwerfe.*

 

*aus: Cennino Cennini, Das Buch von der Kunst.

 Historische Silberstifte: Zeichnungen von Joseph Meder

Historischer Silberstift

 

 

 

 

 

 

 

 Silberstift 

Replik eines historischen Silberstiftes nach Hans Kranach.

Handgefertigter Messingguss mit angelöteter Feinsilberspitze. Länge des Stiftes ca 16,5 cm

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Joseph Meder

Das Büchlein vom Silbersteft

Ausführliche Anleitung zum Gebrauch des Stiftes.

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